Das Freie Institut für Kultur- und Sozialökologie ist eine Folgeeinrichtung des Instituts für Sozialökologie der Humboldt-Universität Berlin. Dieses entstand auf Initiative von Prof. Dr. Rudolf Bahro und des Berliner Senats kurz nach dem Mauerfall 1989. Dort forschte und lehrte es mit großer Resonanz von Studierenden und Öffentlichkeit (die berühmten Montagsvorlesungem zur Sozialökologie, welche von 1991-1997 im Audimax der HUB stattfanden, besuchten phasenweise ca. 1000 Hörer) bis zu Bahros Tod im Jahre 1997.

 

Die Zeit war damals jedoch noch nicht reif für solche wirklich transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung und so fiel diese im Freiraum des Berliner Mauerfalls entstandende akademische Innovation den seit 1995 zunehmenden "Strukturanpassungen" zum Opfer. Als eine der wenigen wirklich spannenden wissenschaftlichen Innovationen, welche im historischen Zwischenraum von Ost- und Westdeutschland entstanden waren, war es einigen sich in neuen Osten bequem einrichtenden Kleingeistern ein Dorn im Auge und wurde daher zerstört.

 

Wenige Jahre wurde das öffentliche Bedürfnis nach sozialökologischer Forschung deutlicher (u.a. in Form eines BMBF-Sonderprogramms für sozial-ökologische Forschung, welches jedoch die tiefenkulturellen Dimensionen des Problems, welche Bahro anging, eher verdrängt als erforscht).

Deshalb gründete der einstige wissenschaftliche Mitarbeiter Bahros, Maik Hosang, das Institut neu im Rahmen des "Reallabors einer neuen Kultur und Gesellschaft - LebensGut Pommritz", welches mit Unterstützung des sächsischen Ministerpräsidenten Prof. Kurt Biedenkopf im traditionsreichen Forschungsgut Pommritz entstanden war.

 

 

Der Denkansatz des Instituts besteht darin, die ökologische Krise nicht nur als naturwissenschaftliche und wirtschaftlich-technische, sondern auch als gesellschaftliche und geistig-kulturelle Herausforderung zu erforschen und entsprechende integrative Bildungs- und Transformationsprozesse in Wissenschaft und und Praxis anzustoßen. Damit steht es in engem Bezug zur weltweiten Herausbildung von integraler Theorie, transdisziplinärer Wissenschaft und integrativer Transformations- bzw. Global-Change-Forschung; aber auch zu entsprechenden Praxisansätzen.  

 

Vergleichsstudie Sozialökologischer Denkansätze
Im Rahmen einer Studie für das BMBF verglich Maik Hosang verschiedene sozial-ökologische Denkansätze. Dabei konnte er zeigen, inwiefern der Denkansatz des von Rudolf Bahro gegründeteten Instituts für Sozialökologie auch eine tiefenkulturelle Dimension aufweist, die den meisten anderen Denkansätzen fehlt.
Sozialökologische Theorieansätze.pdf
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Näheres zum Denkansatz des Instituts, zu seinen Forschungsergebnissen, Netzwerken, Kongressen und Modellprojekten siehe auf den entsprechenden Unterseiten.

Gespräch zwischen Kurt Biedenkopf, Gerald Hüther und Maik Hosang beim extend2011:

Im April 2017 erschien das hier links sichtbare Buch von Gerald Hüther, Anselm Grün und Maik Hosang, welches eine Grundthesen Rudolf Bahros aufnimmt und weiterdenkt: Die Zukunft von Mensch und Erde wird letztlich von der Entfaltung menschlicher Liebesfähigkeit im weiteren Sinne abhängen.

Diese These wird aus Sicht neuer neurobiologischer, philosophisch-theologischer und kulturgeschichtlicher Erkenntnisse rekonstruiert. Dabei zeigt sich, inwiefern viele der wichtigsten sozialen, wirtschaftlichen und technischen Innovationen der Menschheitsgeschichte aus einer Motivation heraus geschahen, welche dem letztlichen Grund aller großen Kulturen, Religionen und Philosophien - "Gott ist Liebe" - entspricht. Und dass daher durchaus Hoffnung besteht, dass die Menschheit in der Lage ist, auch ihre gegenwärtigen globalen Entwicklungsprobleme in diesem Sinne zu lösen.