Bewusstsein und Metabewusstsein

 

Die Zukunft des Menschen hängt auch von verstärkter - individueller wie auch kollektiver - Bewusstseinsentwicklung ab. Eine der Forschungs- und Entwicklungsfragen dabei ist, wovon und wie wir dabei überhaupt reden und uns verständigen.

Die Philosohie unterschied in ihrer langen Geschichte oft zumindest zwei Qualitäten: Alltagsbewusstsein bzw. Verstand einerseits, und Weisheit bzw. Vernunft. Ein starkes Symbol dieses Unterschieds war und ist das sogenannte Höhlengleichnis von Platon.

In neuerer Zeit entstand mit der Psychologie ein ganzer Wissenschaftsbereich für die Belange unseres Bewusstseins - der sich jedoch lange Zeit und noch immer vorwiegend mit dessen Erkrankungen und möglichen Heilungsprozessen beschäftigt(e).

Erst seit der Entstehung der Humanistischen bzw. Positiven Psychologie beschäftigt man sich stärker auch mit den Entwicklungspotenzialen unseres Bewusstseins.

Für diese gibt es jedoch bisher keine allgemein akzeptierte Terminologie. Manche nennen es "Transpersonale Psychologie", andere "Erweitertes Bewusstsein" oder "Bewusstheits-Bewusstsein" oder "Metabewusstsein.

 

Aus Gründen der Einfachheit und Klarheit verwenden wir hier den Begriff des "Metabewusstseins". Wen mehr darüber interessiert, der findet einiges dazu im Beitrag des Arztes, Psychotherapeuten und Bewusstseinsforschers Dr. Udo Boessmann im auf der Eingangsseite angekündigten Buch "Die Metamoderne". Sein Beitrag hat den Titel:

Hindernisse und Chancen für die Entwicklung von Metabewusstsein aus Sicht der Tiefenpsychologie . Ein kleiner Auszug aus diesem Text siehe hier:

 

Höhere Ich-Funktionen

Viele grundlegende Bewusstseinsfunktionen teilen wir Menschen mit den Tieren. Primaten, z.B. Schimpansen können sogar lernen, einfache Sprache zu verstehen und Symbole zu nutzen, um ihre Bedürfnisse auszudrücken. Die höheren Ichfunktionen, um die es jetzt gehen soll, sind nicht nur den Tieren verschlossen, sondern auch vielen erwachsenen Menschen. Zu diesen Funktionen gehört vor allem die Fähigkeit zur Metakognition, das ist:

·       ein grundlegendes inneres Wissen, dass wir selbst und andere Menschen eigenständige geistig-seelische Wesen mit eigenen Absichten, Wünschen, Gefühlen und Überzeugungen sind

·       das Wissen über unser eigenen Gedächtnis-, Denk- und Lernvorgänge sowie die Beobachtung und Steuerung dieser kognitiven Vorgänge

·       die Fähigkeit, unser eigenes Bewusstsein von einer Metaperspektive aus, also aus der Position eines außenstehenden Beobachters, zu betrachten

·       die Fähigkeit zu zweifeln, uns selbst zu reflektieren und zu überprüfen

·       die Fähigkeit, unsere Erfolge und Misserfolge zu überwachen sowie Prioritäten setzen zu können

·       die Fähigkeit, die Angemessenheit der eigenen Wahrnehmungen, Interpretationen, Annahmen, Überzeugungen, Wertmaßstäbe, Wirklichkeitsmodelle und uns selbst als Ganzes in Frage zu stellen, auch eine kritisch-verantwortliche Haltung gegenüber der Frage unserer Willensfreiheit

·       die Fähigkeit, zwischen unserer eigenen Perspektive und fremden Perspektiven hin- und herzuwechseln und wenigstens partiell unseren alltäglichen naiven Realismus unserer Benutzerillusion zu überwinden

·       die Fähigkeit zur Selbsttranszendenz. 

 

Neben der Metakognition sind weitere Fähigkeiten zu den höheren Ichfunktionen zu zählen, die in der psychodynamischen Psychotherapie auch als strukturelle Fähigkeiten bezeichnet werden:

·       die Fähigkeit, andere empathisch und zugleich realistisch wahrzunehmen

·       die Fähigkeit zur Selbst-Objekt-Differenzierung (Unterscheidung von dem, wer/was ich bin, denke, fühle oder will, von dem, was ein anderer ist, denkt, fühlt oder will)

·       die Fähigkeit zur angemessenen emotionalen Kommunikation (Gefühle so auszudrücken, dass die eigenen Bedürfnisse und Grenzen für andere erkennbar werden, ohne dabei die Beziehung zu gefährden)

·       die Fähigkeit, gute innere Bilder von anderen zu entwerfen und zu bewahren

·       die Fähigkeit, zu anderen Menschen Kontakt herzustellen sowie intime und stabile zwischenmenschliche Bindungen einzugehen

·       die Fähigkeit, in Beziehungen die eigenen Impulse, Affekte und das Selbstwertgefühl angemessen zu steuern

·       die Fähigkeit, Interessen auszugleichen und Beziehungen zu schützen

·       die Fähigkeit, dysfunktionale oder entwicklungsbehindernde Bindungen zu lösen, Trennungen zu ertragen, sich auch allein selbst beruhigen zu können, für sich selbst zu sorgen und einzustehen.

·       die Fähigkeit, Gewissen, Werte und Sinnerleben zu entwickeln sowie Schuld zu empfinden.